Podiumsdiskussion über die Herausforderungen und Chancen für die Skalierung datengesteuerter Unternehmen in Mitteleuropa
Tech-Souveränität ist ein zentrales europäisches Ziel. Der gesamte Kontinent – die EU, einzelne Staaten und Regionen – investiert stark in den Aufbau digitaler Infrastrukturen wie KI-Fabriken, Datenräume, Gaia-X, Open Source usw. Diese und weitere Initiativen sollten die europäische Wirtschaft dabei unterstützen, souveräner und global wettbewerbsfähig zu werden.
Spin-offs, Start-ups und Scale-ups spielen eine entscheidende Rolle für die digitale Zukunft Europas. Um erfolgreich zu sein, müssen sie digitale Produkte entwickeln, die auf den Markt passen und gleichzeitig die europäischen Erwartungen erfüllen. Wie gehen bestehende Unternehmen mit dieser Herausforderung um? Wie kann der Erfolg digitaler Unternehmen in Europa aussehen? Und was können (künftige) Spin-offs und Start-ups aus ihren Erfahrungen lernen?
Über die Veranstaltung “Towards Sovereign Business Success“.
Diese Sonderveranstaltung im September 2025 hatte zum Ziel, diese Fragen zu beantworten und die Menschen kennen zu lernen, die die europäische Innovation vorantreiben.
- Roland Sommer, Plattform Industrie 4.0
- Michael Wiesmüller, BMIMI
- Stefan Plank, TACEO
- Martin Kaltenboeck, Graphwise / Semantic Web Company
- Andreas Krimbacher, nexyo
- Benjamin Mörzinger, nista
- Markus Sabadello, Danube Tech GmbH
- Alexander Wahler, Onlim
- Hannah Wundsam, AustrianStartups
- Moderation: Michael Fälbl, Plattform Industrie 4.0 Österreich
Die digitale Zukunft Europas ist ein zentrales Thema in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Im Rahmen der Technology Talks Austria 2025 wurde diese Frage in einer Sonderveranstaltung “Towards Sovereign Business Success“ aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.
Der Workshop brachte führende Stimmen aus Startups, Industrie, Forschung und Politik zusammen.
Michael Fälbl von Plattform Industrie 4.0 konzentrierte sich auf die Frage: Wie kann Europa digitale Souveränität erreichen und gleichzeitig innovative Geschäftsmodelle erfolgreich auf den Markt bringen?
Spin-offs und Startups als Impulsgeber
Besonderer Fokus wurde auf die Rolle von Spin-offs, Start-ups und Scale-ups gelegt. Sie gelten als Motor der digitalen Wettbewerbsfähigkeit Europas – vorausgesetzt, innovative Technologien können mit marktfähigen Produkten und europäischen Werten in Einklang gebracht werden.
“Wir brauchen die Geeks, die Technologien entwickeln und in Nischenbereichen weltweit führend sein wollen,“ forderte Stefan Plank (Co-Founder & COO, TACEO). Damit brachte er den Bedarf an technologischem Pioniergeist auf den Punkt.
Hannah Wundsam (Geschäftsführerin von AustrianStartups) hingegen mahnte, dass Startups in Europa einen besseren Zugang zu Kapital brauchen: “Mehr europäisches Risikokapital ist entscheidend, um jungen Unternehmen eine langfristige Perspektive zu geben.“
Von der Idee zum Markt
Die Frage, wie man Innovationen für den Markt vorbereiten kann, stand ebenfalls im Mittelpunkt. Benjamin Mörzinger (CEO und Founder, nista) erinnerte uns daran, dass Technologien nur dann erfolgreich sind, wenn sie für die Nutzer verständlich und sofort nutzbar sind:
“Facebook war fähig Outreach und Akzeptanz sehr schnell zu bauen durch Apps wie z.B. Farmville – der gelang, sich auf dem Markt zu etablieren und zwar durch einen klar verständlichen Anwendungszweck. Wir brauchen ähnliche Anwendungen für die Datenwirtschaft.
Vor allem aber in der DACH-Region, verlieren wir uns oft in technischen Details und Infrastrukturfragen. Dies führt zu leistungsstarken Systemen, allerdings mangelt es an Anwendern, da der direkte Mehrwert nicht deutlich genug erkennbar ist.“
Standardisierung als Schlüssel
Markus Sabadello (Founder, Danube Tech GmbH) hob einen wichtigen Punkt hervor: “Wer Standards schafft, gestaltet Märkte.“ Die Standardisierung wurde nicht nur als technische Notwendigkeit, sondern auch als strategisches Instrument für die europäische Wettbewerbsfähigkeit hervorgehoben.
Auch Andreas Krimbacher (Technical Lead, nexyo) unterstrich die Bedeutung von gemeinsamen Entwicklungsprozessen: Nur wenn Unternehmen aktiv an Forschungsprojekten beteiligt sind, können praktische und umsetzbare Lösungen entstehen.
Politische und technologische Entscheidungen
Aus politischer Sicht stellte Michael Wiesmüller (Leiter der Abteilung: Digitale und Schlüsseltechnologien für industrielle Innovation, BMIMI) die Perspektive des Bundesministeriums dar: “Die Marktpenetration von Technologien und die nachhaltige Nutzung von Datenräumen sind seit fast 10 Jahren Kernelemente der österreichischen Innovationsstrategie und werden auch in der kommenden Schlüsseltechnologieoffensive eine wichtige Rolle spielen.“
Alexander Wahler (CEO & Co-Founder, Onlim) erläuterte die technologischen Möglichkeiten: Er zeigte, wie Datenräume mit künstlicher Intelligenz – wie Wissensgraphen oder Chatbots – verknüpft werden können und welches Marktpotenzial sich daraus ergibt, insbesondere für den deutschsprachigen Raum.
Semantische KI und strukturelle Herausforderungen
Martin Kaltenböck (Co-Founder & SVP Customer Success, Graphwise / Managing Partner & CFO, Semantic Web Company), der aufgrund von Terminkonflikten nicht anwesend sein konnte, steuerte seine Expertise in schriftlicher Form bei. Er betonte die Bedeutung der semantischen KI, die europäischen Unternehmen helfen kann, ihre KI-Investitionen vertrauenswürdig und skalierbar zu machen.
Er wieß gleichzeitig auf strukturelle Hürden wie z.B. exzessive Regulierung und die Schwierigkeit der Finanzierung immaterieller Assets in Österreich hin.
Zusammenarbeit als Erfolgsfaktor
Der Workshop hat eindrucksvoll gezeigt, dass europäische digitale Souveränität kein abstraktes Ziel, sondern ein konkretes Handlungsfeld ist. Sie erfordert mutige Gründer, die neue Technologien vorantreiben, intelligente Finanzierungsmechanismen, die Innovationen ermöglichen, praxisnahe Forschung, die den Transfer in den Markt sicherstellt, und klare, international kompatible Standards.
Nur durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Industrie, Startups und Forschung können Datenräume, künstliche Intelligenz und Open Source als Schlüsseltechnologien nachhaltig in Europa verankert werden.
Helmut Leopold, Vorsitzender von Gaia-X Hub Austria: “Die Kombination unserer Daten aus einer Vielzahl von Branchen und Marktsektoren mit intelligenten Methoden für faire Marktmechanismen bei gleichzeitiger vollständiger Kontrolle über unsere Daten ist die Grundlage für den Erfolg in der zukünftigen Daten- und KI-Wirtschaft.“
Roland Sommer, Geschäftsführer der Plattform Industrie 4.0: “Österreichische Startups und Scaleups nehmen selbst im internationalen Vergleich eine Spitzenposition ein, und kann einen wichtigen Beitrag zur österreichischen und europäischen technologischen Souveränität leisten.”
Digitale Souveränität ist somit keine Vision mehr, sondern kann mit dem richtigen Zusammenspiel der verschiedenen Akteure zu einem Modell für den Erfolg in ganz Europa werden.
Die Podiumsdiskussion ermöglichte einen Austausch zwischen Scaleups, die aufgrund ihrer entscheidenden Rolle bei der Gestaltung der europäischen technologischen Souveränität das Wort erhielten. Das Event lieferte den Teilnehmern, insbesondere den politischen Entscheidungsträgern aus ganz Europa, die an den Technologiegesprächen teilnahmen, klare Erkenntnisse.
Autor: Michael Fälbl, Plattform Industrie 4.0 Österreich
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Mehr Informationen: Denise Branz denise.branz@plattformindustrie40.at




