Datenaustausch in der Fertigung
„Data Spaces & Co.“ sind ein spannendes Thema für die Zukunft der österreichischen Fertigungsindustrie. Im Rahmen regelmäßiger „Check-ins“ informiert die Plattform Industrie4.0 Österreich daher über den aktuellen Stand des Datenaustauschs in der Fertigung.
Highlights der Hannover Messe
Die diesjährige HMI 2026 widmete sich intensiv dem Thema KI. Auch die deutsche Industrie-4.0-Plattform setzt nun voll und ganz auf „Industrielle KI“. Das geplante IPCEI-AI wurde in Stellungnahmen und Vorträgen häufig erwähnt, wobei sich der Schwerpunkt zunehmend auf die Anwendungsseite verlagerte. Deutschland wird 1,5 Milliarden Euro in das IPCEI investieren. Österreich wird sich nicht direkt am IPCEI-AI beteiligen, eine assoziierte Partnerschaft ist jedoch möglich.
Im Rahmen der Veranstaltung stellten verschiedene „Manufacturing-X“-Projekte ihre Ergebnisse vor. „International Manufacturing-X“ richtete eine Ausstellung ein, in der vernetzte Produktion demonstriert wurde. An deren Gestaltung waren zahlreiche Länder beteiligt – ein Anwendungsbeispiel stammt aus dem österreichischen PASSAT-Projekt, an dem Atomic, Wintersteiger und Salzburg Research mitwirken und dessen Schwerpunkt auf dem digitalen Produktpass liegt.
Open Data Spaces (japanische Initiative)
In Japan liegt der Schwerpunkt auf „KI-fähigen Daten“ – „Open Data Spaces“ gelten als Lösung hierfür. Japan investiert jährlich 12 bis 14 Millionen Euro in diese Initiative. Die IPA, eine japanische Regierungsbehörde, ist für die Umsetzung der „Open Data Spaces“-Initiative verantwortlich. Open-Source-Software bildet die Grundlage, wobei Ontologien als Zentrum der Initiative gelten.
Im Rahmen der Initiative „Open Data Spaces“ werden drei Schwerpunktbereiche umgesetzt. Die meisten Unternehmen sind im Sektor „Batterie & Automobil“ tätig (>, 690 Unternehmen, darunter 14 Erstausrüster), während sich bereits zahlreiche Unternehmen (>, 565) in der chemischen Industrie und deren Aspekten der Kreislaufwirtschaft engagieren. Der dritte Schwerpunktbereich ist die Luftfahrtindustrie, in der sich bereits >, 20 Unternehmen beteiligt haben.
Die Initiative „Open Data Spaces“ verbindet verschiedene Technologien miteinander. Einerseits stützt sie sich auf die Eclipse Dataspace Components, die im Zusammenhang mit Data Spaces und verwandten Technologien bereits weit verbreitet sind. Andererseits werden diese mit Technologien zur Verbesserung des Datenschutzes wie Confidential Computing und Federated Learning kombiniert.
Die Vision sieht vor, dass KI-Agenten über „Open Data Spaces“ auf Ontologien und Datenprodukte zugreifen. In diesem Modell werden Informationen und Daten voneinander getrennt gehalten. Zu den ersten Anwendungsfällen zählen ein Batteriepass und der CO₂-Fußabdruck von Produkten in der Automobilindustrie sowie die Senkung der Compliance-Kosten in der chemischen Industrie.
I3X (US-Initiative)
I3X ist eine US-amerikanische Initiative, deren Ziel es ist, Interoperabilität im Bereich der Industriesoftware zu erreichen. Das Projekt wird von CESMII vorangetrieben, dem US-amerikanischen Pendant zu den europäischen Industrie-4.0-Plattformen.
I3X ist als Schnittstelle für Produktionsdaten konzipiert. Ziel ist es, eine Vielzahl unterschiedlicher Anwendungen über eine gemeinsame Schnittstelle miteinander zu verbinden. Dabei soll eine möglichst große Anzahl von Protokollen und damit verbundenen Technologien integriert und für verschiedene Anwendungsfälle zugänglich gemacht werden. Die API steht als Open-Source-Software unter der MIT-Lizenz zur Verfügung.
Die I3X-API kann von verschiedenen Softwarelösungen genutzt werden. MonsterMQ, entwickelt vom österreichischen Entwickler Andreas Vogler, ist ein Beispiel für eine Software, die bereits integriert ist. I3X konzentriert sich weniger auf den Datenaustausch und Ähnliches als vielmehr auf industrielle Interoperabilität. Der Schwerpunkt liegt auf der unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit.
Projekt-Updates
Im Januar 2026 wurde in Deutschland das Projekt „AeroMatPass-X“ ins Leben gerufen. Das Projekt läuft bis zum Jahresende und ist Teil der deutschen Plattform „MaterialDigital“. Im Mittelpunkt steht der digitale Werkstoffpass für die Luftfahrtindustrie. Ziel des Projekts ist die Entwicklung einer auf KMU ausgerichteten Lösung zur Integration von Materialdaten in Datenökosysteme innerhalb der Luftfahrtbranche. Das Projekt wird vom Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) geleitet.
Das Projekt „Decade-X“ wurde beim letzten Check-In kurz erörtert. Das Projekt konzentriert sich auf die Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie und ist das französische Pendant zum deutschen Projekt „Aerospace-X“. Zu seinen Zielen gehören die Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Lieferkette und die Verbesserung der Rückverfolgbarkeit von Produkten. Seit dem letzten Check-In hat „Decade-X“ mehrere neue Mitglieder bekannt gegeben. BÖHLER Aerospace aus Österreich ist dem Projekt beigetreten.
Catena-X-Projekt
Kürzlich wurde eine offizielle „User Journey“ für Catena-X veröffentlicht. Darin wird anschaulich erläutert, wie Catena-X funktioniert, welche Voraussetzungen für die Teilnahme gelten, welche Kosten den Unternehmen durch Catena-X entstehen und vieles mehr. Von besonderem Interesse für uns ist die Liste der häufig umgesetzten Anwendungsfälle, sortiert nach Schwierigkeitsgrad.
Amazon Web Services Labs hat kürzlich ein Open-Source-Projekt ins Leben gerufen, dessen Schwerpunkt auf Dataspaces liegt. Die Catena-X-Integration bildet das Kernstück des Projekts „Dataspace Connector on AWS“. Das Projekt verbindet die AWS-Infrastruktur mit den in Catena-X verwendeten Eclipse-Dataspace-Komponenten. Zudem gibt es eine MCP-Integration. Auch in der österreichischen Industrie findet die Infrastruktur von Hyperscalern breite Anwendung – daher ist es interessant zu beobachten, welche Entwicklungen im Zusammenhang mit AWS im Bereich der Datenspaces stattfinden.
Data Space Accelerator
Über den „Data Space Accelerator“ ist es seit Kurzem möglich, eine Vergütung für die Einbindung und Umsetzung von Anwendungsfällen im Zusammenhang mit Catena-X zu erhalten. Ziel des Accelerators ist es, die Skalierbarkeit und Robustheit von Catena-X zu testen, indem bis Ende dieses Jahres bis zu 800 Unternehmen an den Data Space angeschlossen werden. Unternehmen – darunter auch österreichische! – erhalten für die Teilnahme, die Einbindung in Catena-X und die Umsetzung von Anwendungsfällen eine Pauschalzahlung zwischen 15.000 € und 30.000 € (österreichische Unternehmen erhalten einen etwas höheren Betrag).
Sie können die einzelnen Schritte selbst durchführen oder Dienstleister hinzuziehen. Je nach Ihrem eigenen Fachwissen und den verfügbaren Ressourcen gibt es verschiedene Möglichkeiten, dieses Ziel zu erreichen.
Was ist geplant?
Die Check-Ins sind öffentlich und kostenlos. Zusammenfassungen der Check-Ins werden auf der Website von „Platform Industry 4.0“ veröffentlicht und über die Community-Mailingliste sowie über LinkedIn verbreitet.
Gemeinsam stark
Die Slowakei hat einen Gaia-X-Hub und einen IDSA-Hub eingerichtet und treibt zahlreiche Aktivitäten im Bereich des Datenaustauschs voran. Im Rahmen eines Wissenstransfers soll das erfolgreiche „Check-in“-Format in die Slowakei übertragen werden.
Weitere Informationen und Aktuelles
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- https://plattformindustrie40.at/blog/2026/06/23/neuigkeiten-zum-datenaustausch-in-der-produktion-2/
- Kontakt: Denise Branz branz@plattformindustrie40.at

